Wilhelm Holzamer – Was hat der Nieder-Olmer Literat eigentlich mit der Kerb zu tun?
Wilhelm Holzamer wurde 1870 in Nieder-Olm geboren und verstarb im Alter von nur 37 Jahren in Berlin. Er war seinerzeit dabei, sich einen festen Platz in der Literaturgeschichte zu sichern. Doch sein früher Tod verhinderte dies. Der ehemalige Feuilleton-Chef der Mainzer Allgemeinen Zeitung, Jens Frederiksen, beschreibt die Qualität seiner Texte so: „Seine vier Nieder-Olmer Romane gehören zum Besten, was die Erzählkunst der Jahrhundertwende in Deutschland geleistet hat.“ Frederiksen rückt den Sohn eines Sattlers, der schon mit 16 Jahren seinen Geburtsort verließ, in den Autorenkreis Theodor Fontanes, Thomas Manns und Rainer Maria Rilkes.
1906 schreibt Holzamer seinen bekanntesten Roman „Vor Jahr und Tag“, der als Vorabdruck in der Zeitschrift „Daheim“ erscheint. Auch die Veröffentlichung als Roman 1907 erlebte Holzamer leider nicht.
Schauplatz des Romans ist unter anderem das Wirtshaus „Zur schönen Aussicht“, heute Wohnhaus und Atelier des Künstlerpaares Liesel und Johannes Metten († 2020). Erzählt wird die Geschichte der Gastwirtstochter Dorth Rosenzweig. Zerrissen zwischen Vernunft und Leidenschaft stirbt sie schließlich einen schicksalsergebenen Tod. Nicht wenige Szenen spielen sich auch während der Kerb ab, die im Roman überwiegend „Kirchweih“ genannt wird. Der Leser erfährt in diesen Szenen viel über das damalige Leben, die Gemütslage der Menschen und wie sie die Kerb feierten:„ Drei Tage lang Festlichkeit und Tanz“, „Was kann aber trauriger sein in einem Dorfe, als wenn die Kirchweih verregnet ist?“