Ein Weihnachtslied und seine Geschichte

Es ist nicht so bekannt wie das auch mit „Oh“ beginnende „Oh du fröhliche“ und eine nationale Anerkennung als immaterielles Kulturgut wie das „Stille Nacht heilige Nacht“ fehlt auch. Und dennoch gibt es ein Weihnachtslied, das viele Nieder-Olmer zu Tränen rührt, sobald sie die ersten Klänge dieses Weihnachtsliedes hören: „Oh wie ruhst du hold und warm“.

Nicht nur, dass es zum bekanntesten Lied in Nieder-Olm zählte. Laut des Heimatforschers, Chronisten und ehemaligen Bürgermeisters Michael Eifinger hat es hier auch seinen Ursprung. Eifingers Aufzeichnungen zufolge war Friedrich Goedecker in Nieder-Olm von 1873-1887 Kaplan, Pfarrverwalter und Schöpfer des Liedes. Er soll es verfasst haben. Bis um 1970 herum wurde es an den Weihnachtstagen von vielen katholischen Kirchengemeinde mit Begeisterung gesungen, darunter Zornheim, Elsheim, Bobstadt-Bürstadt oder Worms-Herrnsheim. Doch irgendwann entsprach es wohl nicht mehr dem Zeitgeist, wurde als zu kitschig empfunden und verschwand aus einigen Gottesdiensten. In Elsheim hat sich das Lied in den 70-er Jahren allerdings gehalten und wurde die ganze Zeit zum Schluss des Hochamtes am Weihnachtsmorgen gesungen. Ebenso in Sörgenloch. Mündlichen Überlieferungen zufolge sind daher etliche Nieder-Olmer Jahr für Jahr an Weihnachten nach Sörgenloch gepilgert, um dort ihr geliebtes Weihnachtslied singen zu können. Erst sehr viel später machte sich in Nieder-Olm eine Gruppe für das Wiederaufleben des Liedes stark. Und so erlebte es hier tatsächlich mit dem Amtsantritt von Pfarrer Hubert Hilsbos eine Renaissance.

Eine weitere Eigenart des Liedes ist, dass es in keinem Gesangsbuch abgedruckt und daher auch nicht im Gesangbucharchiv der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität erfasst ist. Aber das schmälert die Freude der Nieder-Olmer an ihrem Lied in keinster Weise.

Die vorliegende Nieder-Olmer Textversion unterscheidet sich in einigen kleinen Punkten von der Aufnahme des Katholischen Kirchenchores Elsheim.

 

1.Oh wie ruhst du hold und warm

Kindlein in der Mutter Arm

/:Fromme Hirten dich umstehn,

wollen ihren Heiland sehn.:/


2.Draußen waren sie im Feld

Plötzlich ward die Nacht erhellt,

/: und wie Himmelsglanz so schön,

singen Englein in den Höhen.:/

 

3.Singen, dass geboren ist,

unser lieber Jesus Christ,

/: dass ihn Gott den Menschen gibt,

weil er sie so innig liebt.:/


4.Oh, du liebes Jesuskind,

mach mich fromm wie du gesinnt,

/:führ zum Himmel, Gott, mich ein,

lass mich ewig bei dir sein.:/

 

Quellen: Hans Joachim Stenger: CD-Booklet „Oh wie ruhst du hold und warm – Stadecken-Elsheimer Weihnacht“, 2008. Peter Weisrock: Sagen, Impressionen und Geschichten – Nieder-Olmer Dokumentationen 2, 2005.

Oh wie ruhst du hold und warm, Stadecken-Elsheimer Weihnacht mit Domorganist Albert Schönberger an der Stenger-Hausorgel und dem katholischen Kirchenchor Cäcilia zu Elsheim, 2008.