Stadtbürgermeister statt Fußballtrainer in Barcelona
Dieter Kuhl stand IGS-Schülern Rede und Antwort.
Ob es wirklich am Talent fehlte? Oder nur an den richtigen Gelegenheiten? Wir wissen heute nicht, weshalb Dieter Kuhls Jugendtraum nicht in Erfüllung gegangen ist: „Ich wäre gerne Spieler oder Trainer eine spanischen Fußballmannschaft geworden“, antwortete er auf die Frage nach seinem Berufswunsch in jungen Jahren. Der Nieder-Olmer Stadtbürgermeister traf sich mit der Klasse 5b der IGS Nieder-Olm und gab den Schülerinnen und Schülern offen Antworten auf ziemlich viele Fragen.
Dass Dieter Kuhl heute am Bürgermeistertisch im Rathaus statt auf der Trainerbank des FC Barcelona sitzt, hat auch mit der Sozialisation des 59-Jährigen Anfang der 70er-Jahre zu tun: „Damals haben wir in Nieder-Olm für ein Jugendhaus gekämpft.“ In eben diesem selbstverwalteten Jugendtreff, dem Juhubu- Haus, habe er dann demokratische Spielregeln kennengelernt. „Diese Zeit hat mich geprägt und ich habe gelernt: „Wenn Du was ändern willst, musst Du Dich engagieren.“
Einen ganzen Fragenkatalog hatten sich die Kinder vorher erarbeitet, von persönlichen Themen, über Kuhls Funktion als Stadtbürgermeister bis hin zur Zusammensetzung und zu den Abläufen im Stadtrat. Dabei musste Kuhl durchaus auch Farbe bekennen, zum Beispiel bei der Frage nach seiner schwierigsten Entscheidung: „Kein Thema ist leicht. Aber dass ich mit einer Entscheidung wochenlang schlecht geschlafen hätte, daran kann ich mich auch nicht erinnern.“ Jedenfalls habe er bisher keine bereut. Auch das Thema Kritik und der Umgang damit interessierte die Schüler: „Ohne Kritik wüssten wir viele Dinge nicht. Wir können nicht alles sehen in der Stadt, sind auf Hinweise angewiesen“, machte Kuhl deutlich, wie wichtig dieser Punkt für ihn ist, „solange die Kritik sachlich bleibt.“
Einen Abstecher machte die Runde auch zum Thema Nachwuchs. Zwei junge Ratsmitglieder gebe es in Nieder-Olm, ansonsten würden viele Räte im Land darunter leiden, dass die Mitglieder eher ältere Leute sind. Die Mitarbeit des Nachwuchses könnte stärker sein, meinte Kuhl. Besonders erfreut sei er deshalb über den Besuch der IGS-Schüler: „Ich finde es ganz toll, wenn Ihr Euch dafür interessiert, wie eine Stadt und ihre Gremien funktionieren“, sagte er.
Text und Foto: Bardo Faust