Viel Leben im historischen Cafe

Mitglieder der IG Geschichte und Nieder-Olmer Landfrauen freuen sich mit Stadtbürgermeister Dieter Kuhl über viele Besucher im Historischen Café

200 Jahre Rheinhessen: IG Geschichte hält historisches Bewusstsein der Stadt wach – Viele Bürger interessierten sich für die Ausstellung mit alten Fotos und Gegenständen

Am meisten diskutiert wurde vor den Fotos vom alten Nieder-Olm.  Das Hofgut in der Ortsmitte, das Alte Rathaus mit Kriegerdenkmal davor, die Kerb, der Bahnhof, die Mühlen rund um Nieder-Olm: Die IG Geschichte hatte eine interessante Auswahl an Fotos aus vergangenen Tagen ausgestellt, viele vom Nieder-Olmer Fotografen Rudi Klos, viele aber auch aus Privatbesitz gestiftet. Erinnerungen wurden wach an die eigene Kindheit, an Erzählungen der Eltern, der Großeltern: „Alte und neue Nieder-Olmer können heute einen Blick in die Geschichte unserer Stadt werfen“, sagte Stadtbürgermeister Dieter Kuhl, der dem historischen Café im Alten Rathaus einen Besuch abstattete.
Kuhl dankte der IG Geschichte, aber auch den Landfrauen, die den Tag im Rahmen des Jubiläums 200 Jahre Rheinhessen gemeinsam organisiert haben: „Das ist ein großartiges Engagement“, sagte er. Immerhin bleibe so das Bewusstsein für die Geschichte der Stadt am Leben.  Die Landfrauen waren für die Versorgung zuständig: Kaffee, Kuchen, Kartoffelsuppe und Wurstbrote gab es, hergestellt nach alten Rezepten – gegen Spende: Der Erlös fließt in die Nieder-Olmer Jugendarbeit. Gezeigt wurde auch der „Rheinhessen Quilt“ des Landfrauenverbandes Rheinhessen mit eingearbeiteten Fotos rheinhessischer Frauen. Aus Nieder-Olm sind dabei: Die Künstlerin Liesel Metten und die legendäre Wirtin „Tante Anna“ Princic.
Seit fünf Jahren existiert die IG Geschichte, die im historischen Alten Rathaus der Stadt ihre Heimat gefunden hat. Jeden 3. Donnerstag im Monat treffen sich die rund 15 Mitglieder zwischen 16 und 18 Uhr zu Kaffee und Kuchen, bewerten neue Fundstücke, sortieren, ordnen ein, diskutieren. Die Türen für die Mitbürger sind dabei immer offen: „Bei unserem Geschichtscafé kommt immer jemand vorbei, identifiziert Personen auf alten Fotos oder bringt sein Wissen über historische Gegenstände ein “, sagte Irmtrud Möller von der IG Geschichte. Wichtig sei dies, weil so immer wieder neue Puzzleteile an ihren richtigen Platz kommen.
Das historische Café war nun die erste richtige öffentliche Präsentation der Arbeitsergebnisse von fünf Jahren: Historische Kleider, altes Küchenwerkzeug, Fahnen und vor allem viele, viele Fotos wurden ausgestellt. „Davon haben wir noch Mengen im Archiv“, sagte IG-Mitglied Hugo Möller. Vor allem das Lebenswerk von Rudi Klos, der als Fotograf die Nachkriegszeit des Dorfes dokumentierte, das nach und nach zum Städtchen wurde. Da wartet noch eine Menge Dokumentationsarbeit auf die Interessensgemeinschaft. Schön wäre es, so sind sich die Ortshistoriker einig, wenn auch ein paar jüngere Mitbürger zu den Geschichtscafés kämen: „Für uns ist das wichtig, um die historische Erinnerung von Zeitzeugen im kollektiven Gedächtnis bewahren zu können“, sagte Dr. Katharina Weisrock, die ebenfalls in der IG mitwirkt. Weisrock präsentierte zudem erneut die Ausstellung über Wilhelm-Holzamer, die sie gemeinsam mit dem Wörrstädter Fotografen Thomas G. Tempel kuratiert hat.

Bild und Text: Bardo Faust