Kellersanierung des Alten Rathauses in Nieder-Olm

Das Alte Rathaus ist ein architektonisches Schmuckstück und eines der letzten geschichtsträchtigen Bauwerke in Nieder-Olm. Seit fast 200 Jahren bildet es in direkter Nachbarschaft zur katholischen Kirche den Ortsmittelpunkt. Zwar wurde es vor neun Jahren aufwendig saniert und restauriert. Doch der Zahn der Zeit nagt an dem Haus. Feuchtigkeit sitzt in den Wänden. Der Schaden ist unübersehbar. Im gesamten Sockelbereich platzt der Putz auf. Um die Bausubstanz des historischen Gebäudes zu erhalten, hat der Stadtrat im Februar dieses Jahres beschlossen, den Keller sowie den Sockelbereich zu sanieren.
Doch der Keller birgt ein Geheimnis. Dass sich hier unten einst ein kleiner Gefängnisraum, das Bollesje, befand, ist unter den alteingesessenen Nieder-Olmern bekannt. Doch die Experten beschäftigt eine andere Frage: Wieso ist der Keller viel kleiner als der Grundriss des Gebäudes?
Gibt es etwa unbekannte Räume im Untergeschoss des Hauses? Und wenn ja, was befindet sich dort? Ein Fall für die Nieder-Olmer Feuerwehr. Durch ein vergittertes Fenster verschafften sich kürzlich zwei mit Sauerstoffgeräten ausgestattete Feuerwehrmänner einen Zugang durch die Klappe an der Rückseite des Hauses. Was sie dort fanden, war ein zugemauerter, 15 Quadratmeter großer Keller mit einer enorm hohen Luftfeuchtigkeit von 87 Prozent, sagt Torsten Keil von der Abteilung Bauen der Verbandsgemeinde Nieder-Olm. Wie viele Jahre der Raum kein Sonnenlicht mehr gesehen hatte, kann niemand genau sagen, und auch nicht, warum dieser Teil irgendwann einmal zugemauert worden war.
 „Vermutlich war dies früher der Kartoffel- oder Kohlenkeller“, sagt Keil. Dies sei auf eine am Fenster montierte Rampe zurückzuführen.
Wer hoffte, in dem zugemauerten Raum alte Schätze zu finden, wurde leider enttäuscht: der Raum war schlicht und einfach leer. Demnächst soll mit der Trockenlegung des Kellers begonnen werden.
Auch wenn man es dem eleganten Gebäude nicht ansieht, das Alte Rathaus hat eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich.
Gebaut wurde es 1827 im klassizistischen Baustil. In den Anfangsjahren, als Nieder-Olm zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt gehörte, war hier der Sitz des Friedensgerichts, heute würde man sagen des Schiedsgerichts. In dieser Zeit waren hier auch Häftlinge untergebracht. Das Friedensgericht hatte bis 1893 Bestand. Danach baute man an der Pariser-/Ecke Bahnhofstraße ein repräsentables Gerichts- und Gefängnisgebäude, das jedoch 1959 abgerissen wurde.
Nach dem Auszug des Friedensgerichts wurde das Alte Rathaus bis zum Ersten Weltkrieg als Lehrerwohnung genutzt. Auch von einer Notwohnung, die sich in der Nachkriegszeit im Parterre rechts vom Eingang befand, ist in der Gemeindechronik zu lesen. Als Rathaus der Gemeinde diente es bis 1977. Heute befinden sich hier Begegnungs- und Veranstaltungsräume, das historische Archiv der Stadt Nieder-Olm sowie Büros.
Wie der ehemalige Bürgermeister Nieder-Olms und Chronist Michael Eifinger schreibt, „darf das Rathaus, im Mittelpunkt der Gemeinde gelegen, als ein altes Wahrzeichen Nieder-Olms angesprochen werden.“ Und damit das auch weiterhin so bleibt und das alte Gemäuer sicher in die Zukunft blicken kann, wird die Stadt Nieder-Olm demnächst mit der Sanierung des Kellers fortfahren.

Text: Stadtarchiv Nieder-Olm, Anuschka Weisener
Fotos: Stadtarchiv Nieder-Olm, Verbandsgemeinde Nieder-Olm